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Gebäudeenergiegesetz macht Energiesparen einfach(er) klarer

 

Wenn irgendwo über die Energiewende und Energiesparen gesprochen wird, ist oft ganz schnell der Autoverkehr das zentrale Thema. Also der Umstieg vom Verbrenner auf Elektromobilität. Ähnliches Potenzial mit eindeutigen Parallelen gibt es bei der Gebäudebeheizung: Auch beim Wohnen könnte man noch viel mehr zur Energiewende und damit zum Klimaschutz beitragen, wenn „grüner“ geheizt würde. Mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist das jetzt deutlich einfacher geregelt.

Warum ein Gebäudeenergiegesetz (GEG)?

Wo wird in Deutschland eigentlich die meiste Energie verbraucht? Diese Frage passt in das beliebte Fernsehquiz mit Moderator Günther Jauch, denn sie lässt sich bei weitem nicht so einfach beantworten, wie es auf den ersten Blick scheint. Infrage kommen auf jeden Fall: die Industrie, der Verkehr, Gewerbe und Handel sowie natürlich die Haushalte. Aber wie verteilt sich der Energieverbrauch genau auf diese vier sogenannten Sektoren?

Beim Gesamtenergieverbrauch liegen die Sektoren Verkehr, Industrie und Haushalte dicht beieinander. Besonders interessant ist, welche Energieträger dabei vor allem genutzt werden. Quelle: Umweltbundesamt

Beim Gesamtenergieverbrauch liegen die Sektoren Verkehr, Industrie und Haushalte dicht beieinander. Besonders interessant ist, welche Energieträger dabei vor allem genutzt werden. Quelle: Umweltbundesamt

 

Das Umweltbundesamt hat das mal nachgerechnet: Die privaten Haushalte benötigten im Jahr 2018 etwa gleich viel Energie wie im Jahr 1990 und damit gut ein Viertel des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland. Sie verwendeten mehr als zwei Drittel ihres Endenergieverbrauchs, um Räume zu heizen. Betrachtet man nur den Privathaushalt, ist der CO2-Ausstoß für Heizung und Warmwasser sogar höher als beim Auto!

Die Abbildung zeigt eine rote Tortengrafik mit den Energieanteilen für Raumwärme, Strom und Warmwasser in einem Haushalt.

Wer daheim möglichst „grün“ heizt, leistet einen direkten Beitrag zum Klimaschutz. Denn für Raumwärme muss ein durchschnittlicher Haushalt die meiste Energie aufbringen. Quelle: co2online

Die Konsequenz daraus: Um die politisch gewollte und ökologisch notwendige Energiewende hinzubekommen, ist ein genauerer Blick auf die Wärmeerzeugung zuhause notwendig. Das Ziel: Auch da den Anteil erneuerbarer Energien deutlich nach oben zu schrauben.

Um das zu erreichen, gab es bisher schon verschiedene Gesetze, wie das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) oder das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Weil die sich mittlerweile aber teilweise überlagerten und das Ganze für Bauherrn immer unübersichtlicher wurde, sind die drei jetzt gewissermaßen in dem neuen Gebäudeenergiegesetz, abgekürzt: GEG, zusammengefasst.

Was bringt das Gebäudeenergiegesetz Neues?

Mit dem zum 1. November 2020 in Kraft tretenden Gebäudeenergiegesetz (GEG) hat der Gesetzgeber aber nicht nur drei alte Regelwerke zusammengefasst, sondern sie wurden natürlich gleichzeitig aktualisiert und ergänzt. So ist im GEG jetzt beispielsweise auch für uns der von der EU geforderte Niedrigstenergiegebäudestandard (NZEB – Nearly Zero Energy Building) geregelt. Neubauten mit Bauantrag ab 1. November müssen damit also mindestens in etwa dem bereits bekannten „EnEV-Standard“ entsprechen. Die Häuser sind also sehr gut gedämmt und verbrauchen daher ohnehin nur wenig Energie. Der übrig bleibende Energiebedarf muss dann außerdem zumindest teilweise über erneuerbare Energien abgedeckt werden, steht im GEG.

Insofern haben sich mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) die Anforderungen an Neubauten oder für energetische Sanierungen hierzulande nicht verschärft. Bauen wird also nicht teurer, wie manche vorher befürchtet haben.

Wie erfüllt man das Gebäudeenergiegesetz?

Wie der notwendige Anteil erneuerbarer Energien im Neubau oder bei energetischen Sanierungen erreicht werden kann, steht ebenfalls im Gebäudeenergiegesetz (GEG).

  • Ideal ist natürlich immer eine Wärmepumpe, möglichst mit einer ergänzenden PV-Anlage auf dem eigenen Hausdach. Denn dann wird auch noch der Betriebsstrom direkt vor Ort selber erzeugt; dezentraler und „grüner“ geht es eigentlich kaum noch. Und weil die Wärmepumpe im Neubau mittlerweile ohnehin die am meisten eingebaute Heizung ist, hätten sich viele Fachleute diese Anlagenvariante sogar als Referenzgröße im Gebäudeenergiegesetz gewünscht!
  • Die Anforderungen des GEG erfüllt im Neubau aber beispielsweise auch eine Kombination aus Gas-Brennwertheizung und PV-Anlage, also für dezentral erzeugten Strom.

Schwieriger wird es durch das Gebäudeenergiesetz (GEG) ab 2026 auf jeden Fall für Ölheizungen:

  • Bestehende Anlagen können zwar ohne Auflagen weiter betrieben werden, sofern sie nicht unter die bereits bestehende Austauschpflicht fallen. Ölheizungen, die älter als 30 Jahre sind und nicht über einen Niedertemperatur- oder Brennwertkessel verfügen, müssen erneuert werden. Bei jeder neuen Ölheizung ist aber ab 2026 definitiv regenerative Energie ergänzend zu nutzen, zum Beispiel PV oder Solarthermie.

Zu beachten ist jedoch: Diese Vorschriften sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Blick in den kleinen Heizungskeller eines energetisch sanierten Altbaus, in dem neben einem Gas-Brennwertgerät auch die Inneneinheit einer Wärmepumpe an der Wand hängt.

Hybridheizungen sind eine klasse Möglichkeit, Altbauten energetisch zu sanieren und dabei die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes zu erfüllen. In diesem Reihenmittelhaus aus den 60er Jahren wurde das beispielsweise mit einem wandhängenden Gas-Brennwertgerät (re.) und einer Luft/Wasser-Wärmepumpe, hier die Inneneinheit (li.), gemacht.

Informationen dazu gibt es aber spätestens auch bei der obligatorischen Energieberatung, denn die ist durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ebenfalls neu geregelt: Während beim Neubau der Planer oder Architekt auf die Einhaltung (und den Nachweis) der energetischen Anforderungen nach dem GEG achtet, müsst ihr beim Sanieren eine Energieberatung in Anspruch nehmen. Der Energieberater gibt dann nicht nur Tipps zur möglichst effizienten „grünen“ Anlagentechnik, sondern beispielsweise genauso zur Dämmung der Gebäudehülle. Diese Beratung ist im verpflichtenden Erstgespräch sogar kostenlos. Weitere, kostenpflichtige Leistungen können gefördert werden. Die Beratung zahlt sich also doppelt aus, denn im Ergebnis braucht ihr auf jeden Fall künftig deutlich weniger Energie, spart also jedes Jahr bei den Heizkosten.

Wenn ihr noch mehr über das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) wissen wollt: Klickt einfach hier.

Einen kleinen Überblick, wie ihr mit einer Hybridheizung bei der Sanierung eines Hauses die Umwelt ganz konkret entlasten könnt, findet ihr hier. Oder ihr schaut euch unsere Praxisbeispiele auf vaillant.de an. Vielleicht ist „euer“ Haus ja auch dabei, oder zumindest fast so ähnlich… Es hilft euch aber sicherlich beim Gespräch mit dem Fachhandwerker eures Vertrauens, wenn ihr gemeinsam mit ihm einfach mal „heiztechnisch um die Ecke denkt“, um zu einer möglichst günstigen und trotzdem sehr ökologischen Wärmelösung zu kommen. Viel Erfolg dabei!

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Ein Kommentar

Anton Herbig

Energiepass-Zwang:
Was nützt die beste Gebäudeisolierung und Neuverglasung mit 3-fach-Thermopane-Scheiben, wenn kaum jemand seine Ansprüche und somit Gewohnheiten ändert.
Jeder hat das Recht, sich frei zu entfalten….
Die Mehrzahl der Nachbarn „Rauchen“! Gelüftet wird emsig bis permanent, ob Sommer oder Winter.
> In Parterre nebenan steht das Küchen-Fenster (selbst bei -18 Grad rund um die Uhr) offen, da die Katze freien Auslauf braucht!
Der Eigentümer gegenüber hat sich vom Fachmann einen „energieeffizienten“ Wintergarten auf dem Balkon installieren lassen. – Die vollautomatisch gesteuerten Jalousien schützen ihn ab 6 Uhr selbst bei Minusgraden eigenmächtig vor der Sonneneinstrahlung. Er hingegen schaltet die Beleuchtung ein.
Wir warten nach der nicht erlösenden Globalisierung und Digitalisierung fieberhaft auch die Künstliche Intelligenz.
(Dumm und Bequem ist gleich Gewohnheit).

Ergänzung eines Gesetzes-Skeptikers:
Bekannte und Verwandte wählen trotz ihres hohen Energieverbrauches; enormen Konsums; der Nutzung von aggressiven Putz-Chemikalien (nach ausgiebigem Baden oder Duschen) und Lust auf wahnwitzige Reiseziele (rund um den Globus) ausgerechnet die Grünen. (Habe diese Spezies noch vor Einzug in den BT tatkräftig unterstützt, was ich bereits ein Jahr später bereute. – Im Verschwenden elektrischer Energie (Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose), Rauchen an offenen Fenstern in überheizten Wohnungen und Amtsstuben oder auch Laufenlassen „ihrer“ Diesel-Motoren im Winter waren sie die absoluten Pioniere. – Des weiteren Widersprüche auf der ganzen Linie)!

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