Gebäudeenergiegesetz bringt Neuerungen für Haus und Heizung

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) gilt ab dem 1. November 2020. Und das ist gut so, denn es fasst einige der bestehenden Regelungen zur Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden zusammen: Abgelöst werden dadurch das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Für Bauherren, Hausbesitzer und Planer vereinfacht diese Zusammenführung vieles. Zum Beispiel, die nachhaltige, ressourcenschonende Energieerzeugung und einen geringeren Energieverbrauch des Hauses besser aufeinander abzustimmen. Außerdem ordnet das GEG die Bewertung von fossilen und erneuerbaren Energieträgern unter dem Aspekt der Treibhausgasemissionen neu. Was davon insbesondere für Hausbesitzer wichtig ist, lesen Sie hier.

Das ist neu: Gebäudeenergiegesetz fokussiert auf CO2-Emissionen

Das GEG ist ein Teil des Klimaschutzplans der Bundesregierung, die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor bis zum Jahr 2030 um 66 Prozent zu drücken. Maßstab dafür ist 1990 als Referenzjahr.

Dieses abstrakte Ziel wird durch das GEG fassbarer. Denn hier stehen konkrete Werte, mit denen sich der CO2-Ausstoß eines Gebäudes genau beziffern lässt. Ausschlaggebend dafür sind die eingesetzten Energieträger, also beispielsweise Gas oder Öl. Erneuerbare Energien müssen in Neubauten festgelegte Mindestanteile der Wärmeerzeugung decken. In Bestandsgebäuden wird ab 2026 die Einkopplung erneuerbarer Energien sogar zwingend gefordert, wenn die alte Ölheizung ersetzt werden muss. Dies ist bereits ein Zugeständnis für den Fall, dass eine umweltschonende Heizung technisch ansonsten nicht zu installieren ist oder eine unzumutbare finanzielle Härte darstellt. Denn eigentlich sollen aufgrund der hohen CO2-Emissionen künftig möglichst gar keine Ölheizungen mehr betrieben werden.

Die CO2-Emission als Äquivalent des Primärenergieverbrauchs ist jetzt außerdem eine verpflichtende Angabe auf dem Energieausweis. Wer diesen Energieausweis erstellen darf, wurde mit dem GEG für Neu- und Bestandsbauten sowie Wohn- und Nichtwohngebäude endlich einheitlich geregelt. Und Immobilienmakler sind jetzt verpflichtet, den Energieausweis auch zu veröffentlichen.

Bei einem Eigentümerwechsel oder einer umfassenden Sanierung muss durch das GEG jetzt außerdem ein informatorisches kostenfreies Beratungsgespräch durch einen akkreditierten Experten in Anspruch genommen werden. In einer umfassenden folgenden Energieberatung sind die Kosten förderfähig.

Das ändert sich: Gebäudeenergiegesetz stärkt Biomethan und Photovoltaik

In den meisten Gebäuden wird eine Kombination aus erneuerbaren Energien und fossilen Brennstoffen eingesetzt. Die sind unterschiedlich umweltfreundlich – oder schädlich. Deswegen sieht das GEG für die jeweiligen Energieträger sogenannte Primärenergiefaktoren vor. Dabei wird sogar berücksichtigt, ob die Energie am Gebäudestandort erzeugt (unter ökologischen Gesichtspunkten gut!) oder dorthin transportiert werden muss (unter ökologischen Gesichtspunkten schlecht!). Die Primärenergiefaktoren (PEF) spielen eine zentrale Rolle bei der Berechnung der CO2-Emission eines Gebäudes sowie der Bewertung der energetischen Qualität des Hauses.

Neben Wärmepumpensystemen, die aufgrund der genutzten Umweltenergie im Neubau und dem mittlerweile hohen Anteil von grünem Strom besonders vorteilhaft sind, ist es über das GEG künftig beispielsweise möglich, mit Biomethan zu heizen. Denn Hausbesitzer, die einen Biogasvertrag mit einem – vom Versorger nachzuweisenden! – Anteil von mindestens 50 Prozent Biomethan abschließen, erfüllen jetzt auch ohne Einkopplung weiterer erneuerbarer Energiequellen (wie Solarthermie) die gesetzliche Vorgabe für den Einsatz erneuerbarer Energien. In ebenso effizienten wie ökologischen Gas-Brennwertgeräten ist das Biogas problemlos einsetzbar, allerdings deutlich teurer als normales Erdgas. Allein deswegen zahlt sich die Kombination mindestens mit einer thermischen Solaranlage auf jeden Fall mit Blick auf die Betriebskosten aus. Der Primärenergiefaktor für Biomethan in Verbindung mit Brennwertgeräten beträgt im Übrigen 0,7 (zum Vergleich: PEF Erdgas = 1,1; PEF).

Auch Strom aus einer Photovoltaikanlage kann nun weitergehend als erneuerbare Energie mit angerechnet werden. Die Kombination aus Gas-Brennwertgerät plus Photovoltaik erfüllt damit ebenfalls die Anforderungen des GEG.

Das bleibt: Gebäudeenergiegesetz ist keine Verschärfung zur EnEV

Oft wurde beklagt, dass durch die Gesetze zum Klimaschutz Bauen angeblich immer teurer wird. Das GEG trägt nicht dazu bei! Denn durch das GEG sind die energetischen Anforderungen für Neubauten nicht angehoben worden. Der Jahres-Primärenergiebedarf eines Einfamilienhauses von circa 60 kWh/m2a (Kilowattstunden pro Wohnfläche und Jahr) markiert weiter den Standard für ein Niedrigstenergiegebäude. Dieser Wert entspricht der Festlegung der EnEV aus dem Jahr 2016 und ist auch die nationale Definition des „Nearly Zero Energy Building“ (NZEB). Den muss jeder Mitgliedsstaat der Europäischen Union festlegen, denn ab Januar 2021 gilt er für alle Neubauten.

Auch der vereinfachte Nachweis zur Erfüllung des NZEB-Standards wurde aus der EnEV 2016 übernommen. Das Modellgebäudeverfahren sieht dafür 10 Anlagevarianten zur Erzeugung der Raumwärme und Warmwasserbereitung vor. Sie entsprechen im Wesentlichen denen aus dem Nachweisverfahren „EnEV easy“.

Unverändert ist die Verpflichtung geblieben, Öl- und Gasheizkessel, die älter als 30 Jahre sind, auszutauschen. Ausgenommen davon sind Niedertemperatur- und Brennwertkessel.

Nach wie vor wird auch die Versorgung durch Fernwärme aus Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) anteilig zu den erneuerbaren Energien gerechnet. Die dafür zugrunde liegende Stromgutschriftmethode berücksichtigt, dass der durch KWK gewonnene und eingespeiste Strom den Anteil von Strom aus Kraftwerken, die beispielsweise Kohle verfeuern, verdrängt.