Wärmepumpe Außeneinheit
13 Lesern gefällt das

Nachteile von Wärmepumpen – Was ist dran?

 

Schon mal im Netz gesurft, um sich über ein Produkt zu informieren? Die einen sagen dies, die anderen das. Am Ende ist man genauso schlau wie vorher. Grund genug für uns, vermeintliche Nachteile von Wärmepumpen zu sammeln – und richtigzustellen.

Wärmepumpen haben einen großen Nachteil: Sie heizen mithilfe von Strom.

Das ist falsch. Denn dass sie zur Umwandlung von Umweltwärme in Wohnwärme Strom benötigen, ist gerade ihr Vorteil! Da die fossilen Energien wie Gas und Öl irgendwann aufgebraucht sind, müssen wir auf Erneuerbare wie Solarenergie, Wind- oder Wasserkraft umsteigen. Und genau daraus erzeugen wir immer mehr Strom! Die Bundesregierung fördert dies unter anderem mit dem Klimaschutzplan 2050, der eine schrittweise Verringerung der Kohleverstromung vorsieht.

Strom für den Betrieb von Wärmepumpen stammt überwiegend aus Steinkohlekraftwerken.

Das ist falsch. Denn ich kann mich als Verbraucher für einen echten Öko-Strom aus erneuerbaren Energien entscheiden. Und selbst wenn ich mich für den „ganz normalen“ Strom entscheide, werden aktuell nur 13 % des Graustroms aus Steinkohle gewonnen. Der Anteil der Braunkohle beträgt rund 25 %. Tendenz bei beiden sinkend.

In den Klimabilanzen von Wärmepumpen werden die CO2-Emissionen des Betriebsstroms nicht berücksichtigt.

Das ist falsch. Denn die CO2-Emissionen des Betriebsstroms hängen von der Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe ab. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) drückt die Effizienz der Wärmepumpe aus. Kaufe ich zum Beispiel eine Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 4, erzeuge ich mithilfe von 1 kWh Strom 4 kWh Wärme. Das heißt: Je höher die JAZ, desto effizienter die Wärmepumpe und desto geringer die CO2-Emissionen.  Und da der Anteil erneuerbarer Energien an der öffentlichen Stromversorgung steigt, sinken die CO2-Emissionen der Wärmepumpen in gleichem Maße. 2010 zum Beispiel betrug der Anteil der Erneuerbaren knapp 17 %, im 2. Halbjahr 2018 waren es schon über 40 %.

Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromversorgung

Quelle: Fraunhofer ISE

Der Betrieb einer Wärmepumpe mit Ökostrom vom Energieversorger rentiert sich nicht.

Jain. Denn das ist nur aktuell richtig. Langfristig werden die Preise für Gas und Öl steigen, so dass sich die hohen Kosten für Ökostrom relativieren. Diese Perspektive spielt bei der Entscheidung für ein neues Heizsystem eine wichtige Rolle, da es sich um eine langfristige Investition handelt. Heute mag die Gasheizung zwar rentabler sein, aber morgen? Unabhängig davon lohnt sich eine Wärmepumpe für die Umwelt – und das gute Gefühl, das daraus resultiert.

Es lohnt sich nicht, Wärmepumpe mit Photovoltaikstrom zu betreiben.

Das ist falsch. Denn Photovoltaik lohnt sich immer. Da die Einspeisevergütung aktuell bei knapp 12 Cent liegt und die Kosten für eine selbsterzeugte Kilowattstunde bei 11 bis 14 Cent, ist es am günstigsten, möglichst viel Strom selbst zu verbrauchen – zum Beispiel durch den Betrieb einer Wärmepumpe. Kaufen wir Strom bei einem Energieversorger, bezahlen wir 2018 im Schnitt rund 27 Cent für eine Kilowattstunde. Photovoltaikstrom kostet also maximal die Hälfte. Modellrechnungen zeigen, dass sich eine durchschnittliche, mit Eigenmitteln finanzierte Photovoltaikanlage nach 11 bis 13 Jahren amortisiert hat. Bei Nutzung eines Darlehens beträgt die Amortisationszeit durchschnittlich 13 bis 15 Jahre.

In unsanierten Altbauten sind Wärmepumpen meist im Nachteil.

Das ist richtig. Allerdings nicht, weil ein unsanierter Altbau eine schlechte oder keine Wärmedämmung hat, sondern weil er Heizkörper hat. Denn natürlich können Wärmepumpen auch einen großen Wärmebedarf decken. Das Problem ist die hohe Vorlauftemperatur bei Heizkörpern! Wärmepumpen arbeiten bei bis zu 35 °C besonders effizient – und somit im Zusammenspiel mit Wand- und Fußbodenheizungen oder Niedrigtemperaturheizkörpern.

Da eine Wärmepumpe 10.000 bis 15.000 Euro mehr kostet als ein Heizkessel, kann man eine gute Anlagen-Effizienz erwarten.

Das kann man so nicht sagen, denn diese Aussage verquickt mehrere Aspekte. Grundsätzlich hat die Anlagen-Effizienz nichts mit den Kosten einer Wärmepumpe zu tun. Es kommt vielmehr darauf an, die Gegebenheiten vor Ort zu prüfen: die Größe des Hauses und die Art der Wärmeverteilung – Fußbodenheizung oder Heizkörper. Komme ich mit einer niedrigen Vorlauftemperatur zurecht, gilt es, die passende Wärmepumpe für mein Objekt auszuwählen. Ist dies gegeben, kann die Anlage effizient arbeiten. Also aus dem eingesetzten Betriebsstrom und der kostenlosen Umweltwärme eine adäquate Menge Wärme erzeugen.

Vermutlich zielt die Information auf die Rentabilität der Investition ab. Hierzu ist zu sagen, dass die Kosten für eine Wärmepumpe im Neubau deutlich geringer sind, als die genannten 10.000 bis 15.000 Euro. Beziehen sich diese Zahlen auf eine Modernisierung, bei der für die Wärmepumpe eigens eine Fußboden- oder Wandheizung eingebaut werden muss, dann ist die Investitionssumme realistisch und die Rentabilität eines Kesseltauschs natürlich höher: Die Kosten eines neuen Gas-Brennwertgeräts amortisieren sich durch die Energieersparnis schneller als die einer Wärmepumpe plus neuen Wärmeverteilern.

Aufgrund der Sperrzeiten der Stromversorger benötigt die Wärmepumpe einen Pufferspeicher.

Das kommt darauf an. In einem gut gedämmten Neubau spüren wir es kaum, wenn der günstige Heizstrom ca. zweimal am Tag für zwei Stunden vom Stromversorger gesperrt wird, um Versorgungsspitzen abzufangen. In einem Altbau, der schneller auskühlt, sieht das anders aus. Hier kann ein Pufferspeicher im Einzelfall schon einmal nötig sein, um die heizfreie Zeit zu überbrücken.

An kalten Tagen erzeugen Wärmepumpen Spitzenlasten im Stromnetz.

Das ist richtig. Dieses Problem wird sich jedoch dann lösen, wenn die Energieversorger die Lastverteilung im Netz zu einem gewissen Grad auch über die Wärmepumpen regeln. Denn die Geräte der führenden Anbieter sind bereits Smart-Grid-Ready und könnten schon heute in Abhängigkeit von Spitzenlasten ein- und ausgeschaltet werden.

Der Wirkungsgrad von Wärmepumpen ist oft niedriger als die Hersteller angeben.

Das kann sein. Ursache dafür ist, dass die Hersteller die Geräte unter bestimmten Bedingungen testen. Hinzu kommt, dass der Wirkungsgrad von unserem Verhalten als Nutzer abhängt. Und das ist so individuell wie unsere Häuser.

Die Temperatur ist nur im Grundwasser konstant. Daher muss bei Nutzung von Luft- oder Erdwärme mit schwankenden Betriebskosten gerechnet werden.

Jain. Richtig ist, dass die Temperaturen der in Grundwasser und Erdreich gespeicherten Umweltwärme relativ konstant sind. Stark schwankend ist lediglich die Lufttemperatur. Entscheide ich mich für eine Luft/Wasser-Wärmepumpe, dann ist mir das bewusst und berücksichtige es bei der Anlagenplanung. Wasser/Wasser- und Sole/Wasser-Wärmepumpen sind effizienter, daher stärker gefördert – aber auch teurer in der Anschaffung. Daher muss im Einzelfall geprüft werden, welche Lösung das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

An sehr kalten Tagen mit Minusgeraden im zweistelligen Bereich muss nachgeheizt werden.

Stimmt. Bei richtiger Auslegung der Wärmepumpe jedoch höchstens 2 % der Betriebszeit. Dies ist insbesondere bei Luft/Wasser-Wärmepumpen der Fall. Sie verfügen über einen Elektroheizstab, der das Heizwasser im Notfall erwärmt. Das ist wirtschaftlicher, als die Wärmepumpe größer zu dimensionieren.

Es gibt nicht genug Heizungsbauer, die Wärmepumpen mit Erfahrung installieren.  

Das ist falsch. Hierzulande sind derzeit rund 750.000 Wärmepumpen installiert. Und im Neubau ist sie bereits die erste Wahl – mit einem Anteil von über 40 %. Wissen und Erfahrung sind im SHK-Handwerk also durchaus vorhanden.

Viele Modelle enthalten klimaschädliches Kältemittel.

Das ist richtig. Aber die meisten Wärmepumpen haben geschlossene Kältemittelkreise. Das bedeutet, dass die Kältemittel bei der Geräteproduktion eingefüllt und bei der Geräteentsorgung der Wiederverwendung zugeführt werden. Somit ist die Umwelt außer Gefahr, da kein Kältemittel entweicht. Unabhängig davon werden die Kältemittel immer umweltfreundlicher.

Wärmepumpen sind so laut, dass Ärger mit den Nachbarn vorprogrammiert ist.

Das ist falsch. Wasser/Wasser- und Sole/Wasser-Wärmepumpen verursachen so gut wie keine Geräusche. Und auch moderne Luft/Wasser-Wärmepumpen sind inzwischen so leise, dass wir sie problemlos in Reihenhäusern oder ähnlich dichten Besiedelungen nutzen können. Es kommt also auf die Entscheidung für das richtige Gerät an!

Es ist schwierig, Wärmepumpen so einzustellen, dass sie effizient arbeiten.

Das ist richtig. Eine Wärmepumpe muss sehr genau eingestellt werden – was aber für einen erfahrenen Fachmann kein Problem ist.

Durch Erdbohrungen kann das Umfeld beschädigt werden.

Das ist richtig. Allerdings treten nur sehr, sehr selten Schäden auf. Erdbohrungen ab einer gewissen Tiefe benötigen eine Genehmigung durch die zuständige Untere Wasserbehörde, was automatisch mit einer Prüfung der lokalen Bedingungen verbunden ist. Wer Risiken befürchtet, kann sich mit einer Bohrlochversicherung vor finanziellem Schaden schützen.

13 Lesern gefällt das

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.