Wärme aus der Umwelt
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Wärme aus der Umwelt? Klappt sogar bei minus 20 Grad!

 

35 Grad im Schatten. Alles schwitzt in der Sonne. In diesem Sommer kam das zwar nicht besonders oft vor. Doch wenn, brachte der Griff in den Kühlschrank, zum Mineralwasser oder zur Bionade schnell Erfrischung. Die Technik dahinter nutzt auch Åke aus Schweden – aber nicht für kalte Getränke, sondern um es in seiner Wetterstation 235 km nördlich vom Polarkreis warm zu bekommen! Eine regenerative Wärmepumpe funktioniert nämlich fast genauso wie ein Kühlschrank. Nur umgekehrt.

Wenn wir die Energiewende wollen, müssen wir den Energieverbrauch senken. Das stellt keiner mehr in Abrede. Und wir schaffen es: Durch moderne Heiztechnik und gut gedämmte Neubauten, die im Vergleich zu solchen aus den 70er Jahren oft weniger als ein Viertel Heizenergie benötigen. 1977 lag beispielsweise der Jahresprimärenergiebedarf für Heizung und Warmwasser bei etwa 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a). Heute werden dafür je nach Bauweise des Hauses nur noch zwischen 40 und etwa 80 kWh/m²a gebraucht.

Kein Eigenheim in Schleswig-Holstein, im Thüringer Wald oder in Baden-Württemberg, sondern Åkes „Iglu“ in Nordschweden – aber genauso beheizt mit einer Luft/Wasser-Wärmepumpe wie etwa jeder dritte Neubau in Deutschland!

Um diesen geringen Energiebedarf abzudecken, sind herkömmliche Heizungen mit konventionellen Brennstoffen fast immer überdimensioniert. Gefragt sind stattdessen intelligente Lösungen, die für Wärme und Warmwasser möglichst effizient regenerative Energiequellen nutzen – wie die Luft/Wasser-Wärmepumpe, die auch Åke in seiner Wetterstation am Polarkreis installiert hat: Sie gewinnt 75 Prozent der Wärme aus der Umgebungsluft.

Bis 65 °C Heizleistung möglich

Das funktioniert bei den satten zweistelligen Minusgraden in Naimakka nördlich vom Polarkreis genauso gut wie bei 20 Grad minus oder 15 Grad plus irgendwo in Deutschland. Die Wärmepumpe hat dafür einen Kompressor, der die angesaugte Luft extrem zusammendrückt. Dabei entsteht Wärme, die dann genutzt werden kann. Das Prinzip kennt übrigens jeder vom Aufpumpen eines Fahrradreifens: Je schneller man pumpt, umso wärmer wird die Pumpe – aber nicht von der Reibung, wie manche meinen, sondern eben von der stark verdichteten Luft.

Die Wärmepumpe hat dabei auf jeden Fall genug Leistung, um in Mitteleuropa ein gut gedämmtes Einfamilienhaus das ganze Jahr über fast komplett mit Heizwärme und (bei einem 4-Personen-Haushalt) Warmwasser zu versorgen: Sie erzeugt Temperaturen von bis zu 65 °C, die dann über einen Pufferspeicher mit Wärmetauscher für die Warmwasserbereitung und für die Beheizung eingesetzt werden. Besonders Energie sparend ist die Beheizung übrigens, wenn die Wärmeverteilung über eine Flächenheizung erfolgt, denn als Vorlauftemperatur reichen dafür schon 27 bis 32 °C völlig aus.

Mit PV-Strom ökologisch perfekt

75 Prozent Wärme aus der Luft: Im gut gedämmten Neubau macht die Wärmepumpe energetisch fast komplett unabhängig.

Ökologisch und ökonomisch perfekt wird diese Heiztechnik übrigens, wenn der Antriebsstrom für die Wärmepumpe auch noch über die eigene Photovoltaikanlage direkt vor Ort selber erzeugt wird.
Welche Umwelt-Wärmequelle im Einzelfall genutzt wird, ist dabei eine individuelle Frage. Umgebungsluft eignet sich genauso wie die in der Erde gespeicherte Sonnenwärme oder die Wärme aus Flüssen, Grundwasser oder Seen. Lediglich die Wärmekollektoren unterscheiden sich dann: Bei der Luft/Wasser-Wärmepumpe genügt eine Außeneinheit, während die Erdwärme über Sonden (Sole/Wasser-Wärmepumpe) oder, wie die Wärme aus dem Wasser (Wasser/Wasser-Wärmepumpe), über Flächenkollektoren eingesammelt wird. Die Technik ist aber immer dieselbe. Genauso wie die Entlastung für die Umwelt.

Das gefällt auch Åke aus Naimakka. Denn als einer der nördlichsten Nordeuropäer und Betreiber einer Wetterstation erlebt er schließlich tagtäglich hautnah, wie sich unser Klima verändert. Nur auf die eigenen PV-Kollektoren für die energetische Unabhängigkeit, auf die muss Åke verzichten. Denn in Naimakka, 235 km nördlich vom Polarkreis, herrscht fast ein halbes Jahr lang weitestgehend Dunkelheit; von November bis Januar geht die Sonne dort gar nicht auf. Zum Vergleich: 2016 schien die Sonne in Deutschland durchschnittlich insgesamt fast 1.600 Stunden, davon in den Wintermonaten November bis Januar sogar jeweils etwa 60 bis 75 Stunden …

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15 Kommentare

Florian S.

Hallo liebes Vaillant Team.
Wie viel Strom wird den benötigt um die Wärmepumpe auf der Wetterstation zu betreiben?
Wäre es nicht sinnvoller direkt mit Öl zu Heizen?

Wie hoch sind den ca die Stromkosten um ein Haus aus den 70ern mit Fußbodenheizung zu beheizen?
Warmwasser muss ich dann auch elektrisch Erwärmen?

21 grad Redaktion

Hallo Florian,

die Wärmepumpe in Akes Haus ist an einen Erdkollektor angeschlossen. Das ist in Schweden üblich und zeigt sich durchweg als effizient und vorteilhaft gegenüber anderen Heizsystemen. Der Einsatz einer Wärmepumpe ist hierbei und auch kostengünstiger als es der Einsatz einer Ölheizung wäre. Die Erwärmung des Trinkwassers erfolgt ebenfalls mit der Wärmepumpe.

Die Stromkosten für ein älteres Einfamilienhaus in Deutschland hängen von der Größe, des Dämmstandards und vor allem der benötigen Vorlauftemperaturen des Heizsystems ab. Genauere Informationen bekommst Du bei Deinem Fachhandwerker, dieser berät Dich gerne.

Für die zeitweise Beheizung der Wetterstation, um Besucher anzulocken, nutzt Ake einen Luftkollektor. Aufgrund der geringen Dämmung, die ein Zelt aufweist, ist dies natürlich weniger effizient, als das Beheizen seines Hauses.

Alles in allem ist die Wärmepumpentechnologie in einem richtig abgestimmten System eine umweltfreundliche Lösung, die sich auch bei sehr geringen Temperaturen eignet.

Liebe Grüße
Dein 21 Grad Team

Jens E.

Die Fragen wurden nicht wirklich beantwortet:
Wieviel Strom verbraucht eine Wärmepumpe? Ein Link zu den technischen Daten wäre hilfreich.
Macht eine Wärmepumpe in einem 80er Haus mit normalen Heizkörpern Sinn? Wärmetechnisch und aus Energiekostengründen (Strom).

Christian

Ja, das würde mich auch interessieren. Technische Daten und Fakten zu dem Thema würde mir und sicher auch anderen Personen helfen, zu beurteilen, ob diese Technologie rentabel für ältere Bauwerke wäre.

21 grad Redaktion

Hallo Christian, hallo Jens,

eine aussagekräftige Einschätzung ist von vielen Faktoren abhängig. Ohne eine vor Ort Begutachtung kann diese pauschal nicht gefällt werden. Wir empfehlen Euch, das Gespräch mit Eurem Fachhandwerker zu suchen. Er ist Euch sicherlich gerne behilflich. Fachhandwerker in Eurer Nähe findet ihr unter:

https://www.vaillant.de/heizung/service/partner-finden/partner-vor-ort-suche/

Informationen rund um unsere Wärmepumpen inkl. technischen Daten findet ihr hier: https://www.vaillant.de/heizung/produkte/produktgruppen/waermepumpe/

Gerne könnt ihr uns bei Interesse Eure Kontaktdaten an systemberatung@vaillant.de schicken, diese leiten wir dann an unsere Systemberater weiter.

Viele Grüße
Euer 21 grad Team

Petro

Niemals wärmepumpen bei älteren Häusern einbauen.
Ab -5° läuft der Stromzähler auf Vollgas….

21 grad Redaktion

Hallo Pedro,

vielen Dank für Deinen Kommentar.

Eine Wärmepumpe kann vor allem dann effizient betrieben werden, wenn die benötigte Vorlauftemperatur des Heizsystems niedrig ist.

Ist im bestehendem Gebäude bereits eine Fußbodenheizung eingebaut oder wird eine nachgerüstet, können auch dort sehr hohe Jahresarbeitszahlen erreicht werden.

Viele Grüße
Dein 21 grad Team

Jens E.

Wer sich bei Fragen nach Fakten dermaßen winden muss und keine Fakten rausrücken möchte … dessen Produkt(e) haben wohl einige Problemchen?!?
Ein verblendeter Vertriebspartner kommt mir nicht ins Haus bevor ich keine fundierten Daten vom Hersteller vorliegen habe.
21grad … netter Name, aber 0 Informationen 🙁

Jens E.

… ich reduziere meine Kritik, da ich den Link zu den Produkten übersehen habe (mea culpa) …
Allerdings kann uch aus den technischen Daten nicht den notwendigen Strombedarf der Anlagen erkennen … und hier kann es im Betrieb unangenehm teuer werden.

Dominik

Hallo Jens,

grundsätzlich ist der Strombedarf sehr stark von den Umgebungsbedingungen abhängig. Du findest auf unserer Webseite aber zu jeder Wärmepumpe eine Systembroschüre zum Download, in der Angaben zum Stromverbrauch zu finden sind. Du findest die jeweilige Systembroschüre wenn Du folgendermaßen vorgehst:

1. Wähle auf der Übersichtsseite zu unseren Wärmepumpen das Produkt aus, zu dem Du Angaben zum Stromverbrauch haben möchtest: https://www.vaillant.de/heizung/produkte/produktgruppen/waermepumpe/

2. Auf der jeweiligen Produktseite findest Du dann den Bereich „Downloads“.

3. Unter dem Punkt „Prospekte“ kannst Du Dir die Systembroschüre herunterladen und findest am Ende Angaben zum Stromverbrauch.

Wir hoffen, das hilft Dir weiter.

Liebe Grüße
Dein 21 grad Team

Uwe

Das ist Ganz Einfach .FBH im Haus.
Dann macht Fast Jede Wärmepumpe Sinn.
Thermische Hülle des Hauses .ZB Fenster.
1,1 wenn neu Müssen.
FBH Gut Ausgerechnet 25c.max.(Ja das Geht)
Altbau. Warmwasser mit Puffer im Durchlaufprinzip…
Oder Mal über Grabenkollektor Informieren…..

Ferdinand Schneider

Interessant, dass Wärmepumpen schon bei so einer niedrigen Temperatur funktionieren. Ich lebe in einem nördlichen Ort und war mir nicht sicher ob eine Wärmepumpe dann etwas bringt. Gut zu wissen, dass es dann trotzdem Möglichkeiten gibt. Ich werde mich mal weiter informieren.

Heike

Interessant, dass eine Wärmepumpe genauso wie ein Kühlschrank funktioniert. Ich überlege mir gerade die Heizung in unserem Hause zu erneuern. Gut zu wissen, dass es verschiedene Arten von Wärmekollektoren gibt. Ich werde mich mal weiter informieren, welche Option für mich passend ist.

Toni Krause

Mein Onkel plant sein neues Haus und ist derzeit bei den Überlegungen von seinem Heizsystem. Er tendiert dazu eine Luftwärmepumpe zu kaufen. Danke für den Hinweis, dass dadurch ein gedämmtes Einfamilienhaus über das ganze Jahr mit Heizwärme und Warmwasser versorgt werden kann.

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