Leitungen vier Wochen gespült

Selbst die Neubefüllung der Heizungsanlage war eine besondere Herausforderung. Gerold setzt bei der Heizung grundsätzlich auf vollentsalztes Wasser gemäß VDI 2035. Dies ist übrigens auch vom Hersteller gefordert. Stefan Gerolds Problem im Alten Schloss Valley: „Wie kann ich sicherstellen, dass das gesamte Leitungsnetz frei ist von altem Heizungswasser?“ Die hier angewandte Lösung klingt simpel, ist aber sicher nicht alltäglich: Gerold bediente sich der Querspülung. Dazu wurde vollentsalztes Wasser über den Rücklauf des mini-BHKW eingespeist und am entlegensten Punkt des Leitungssystems das Heizungswasser ins Freie geleitet. Bei einem Volumenstrom von etwa 270 L/h lief die Querspülung vier Wochen lang. Dabei kontrollierte Gerold permanent den PH-Wert und den Salzgehalt, bis sich die gewünschten Werte einstellten.

Energiekosten um 7.800 Euro reduziert

Die Anlage ist seit Dezember 2010 vollständig in Betrieb. Während der Übergangszeit (bis circa 5° C Außentemperatur) erwies sich die thermische Leistung des mini-BHKW als ausreichend für die komplette Wärmeerzeugung. Inklusive des Test- und Inbetriebnahmezeitraums kommt das mini-BHKW bis jetzt auf rund 4.400 Betriebsstunden. Dabei hat es über 20.000 kWh Strom produziert. Gegenüber der Altanlage erwartet Sixtus Lampl um 50 % geringere Kosten für den reduzierten Strombezug. Zuvor gehörte die Förderanlage des Hackschnitzelkessels zu den größten Stromverbrauchern. Nach einer von Georg Rehm, dem regionalen Ansprechpartner von Vaillant, erstellten Berechnung spart der Schlossherr durch die kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung jährlich rund 7.800 Euro. Darin enthalten sind knapp 2.000 Euro KWK-Bonus. Der größte Einsparungsposten resultiert aus dem selbst genutzten Strom. Die Kalkulation legt zugrunde, dass das mini-BHKW jährlich über 38.000 kWh Strom erzeugt. Etwa 32.000 kWh werden direkt verwendet, der Rest verkauft.

Energetische Sanierung der Bausubstanz schreitet voran

Die alte Hackschnitzelheizung arbeitete laut Sixtus Lampl rund um die Uhr unter Volllast wobei sie jährlich etwa 300 Kubikmeter Brennstoff verfeuerte. Trotz der zusätzlichen Wärmeversorgung des neuen Anbaus reichte die auf 77,5 kW begrenzte thermische Leistung auch in der kältesten Zeit aus. Dies ist auch der fortschreitenden energetischen Sanierung der Bausubstanz zu verdanken. Aktuell ersetzt Sixtus Lampl die rund 90 Fenster und zehn Fenstertüren des Alten Schlosses. In Zusammenarbeit mit der Fraunhofer Gesellschaft für Bauphysik und im Rahmen eines Forschungsprojektes der Landesstelle für die nicht staatlichen Museen Bayerns werden die 1987 nachgebauten Eichenholzfensterstöcke durch Verbundglas in den Innenflügeln nachgerüstet. In Verbindung mit den Bleiverglasungen der Außenflügel, soll sich dadurch der Wärmedurchgang um 20 % reduzieren.