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Solinger Lichtturm

Auf einer Anhöhe, mit freier Sicht über das Bergische Land, steht der Gräfrather Wasserturm von 1904. Licht-Unternehmer Johannes Dinnebier hat aus dem Baudenkmal in vier Jahren Bauzeit einen „zukunftsweisenden Ort“ gemacht, in dem die Manufaktur „Licht im Raum“ ihre Produkte angemessen inszeniert. Zukunftsweisend ist aber nicht nur die architektonische oder programmatische Umsetzung, sondern auch die Wärmeversorgung: Drei bis zu knapp 80 Meter abgeteufte Erdsonden versorgen eine geoTHERM Sole/Wasser-Wärmepumpe mit Energie. So werden etwa 75 Prozent der maximalen Heizleistung von 14 kW ressourcenschonend aus der Umwelt gewonnen. Zum Vergleich: Statt der ursprünglichen 45 kW „Kesselleistung“ sind es heute nur noch 14. Und statt der Vorlauftemperatur von heute < 40° C waren es zuvor bis zu 80° C! Doch die Erdwärmepumpe wärmt nicht nur, sie kühlt auch – dank ihrer so genannten Natural Cooling-Funktion kann sie bei Bedarf warme Raumluft zu den Erdsonden abführen.

Metamorphose eines Baudenkmals: vom maroden Wasserspeicher zum „Denk-Ort“

Der Weg zu freiem Denken, zu mehr Kreativität ist schmal, gewunden und 100 Stufen steil. Doch wer ihn geht, wird mit einem fast schon körperlichen Aha-Erlebnis belohnt! Zu finden ist dieser Weg in Solingen, in der Metamorphose eines Baudenkmals: Auf einer Anhöhe, mit absolut freier Sicht über das Bergische Land, steht dort der Gräfrather Wasserturm von 1904. Nach einer Konzeption von Johannes Dinnebier ist aus ihm ein „zukunftsweisender Ort“ geworden, in dem auch die Leuchtensysteme der Manufaktur „Licht im Raum“ angemessen inszeniert sind.

Zukunftsweisend, weil hier im Rahmen von Tagungen beispielsweise Ideen zur Schonung der Ressourcen entwickelt werden. Hoch über allen Dächern. Unter der Transparenz der Glaskuppel, die auch die Gedanken weit schweifen lässt. Das realisierte „Gegengewicht“ dazu findet sich bis zu 100 Meter tiefer – als Erdsonden, von denen die Erdwärmepumpe geoTHERM mit Energie zur Beheizung des „Lichtturms“ versorgt wird.

Visionäres „Leuchtturmprojekt“

Die Geschichte des Gräfrather Wasserturms ist die wechselvolle Geschichte eines Baudenkmals – und einer konkreten Vision. Bis 1983 diente der vor mehr als 100 Jahren errichtete Turm der regionalen Trinkwasserversorgung. Doch wie so häufig war auch diese „Versorgungstechnik“ irgendwann überholt, und der inzwischen baufällig gewordene Turm verfiel zusehends. Die Entscheidung, das Objekt unter Denkmalschutz zu stellen, löste allerdings nicht das Kernproblem: das einer sinnvollen Nutzung. Bis 1993 der Licht-Unternehmer Johannes Dinnebier die Vision einer Metamorphose hatte, die Vision eines elementaren Wandels des Wasserspeichers hin zu einer alles überstrahlenden Quelle von Licht.

Das Bergische Land – eine der ältesten Industrieregionen Europas

Helligkeit und Transparenz in der Höhe, die nach durchaus mühsamem Aufstieg zu einer bemerkenswerten Ansicht und Aussicht auf eine Region führen, in der die Ideen mittelständischer Unternehmer seit Jahrhunderten für Entwicklung, Fortschritt und Wohlstand stehen. Das Bergische Land ist eine der ältesten Industrieregionen Europas, in der Technologie-Geschichte geschrieben wurde und immer noch geschrieben wird: In Wuppertal beispielsweise fuhr die erste Schwebebahn der Welt. Solingen machte sich international durch die Qualität der dort gefertigten Messer und Schneidwaren einen Namen. Und, nicht zu vergessen, Remscheid. Dort erfand vor mehr als 135 Jahren Johann Vaillant den Badeofen. Als „Geyser“ demokratisierte er die komfortable Warmwasserbereitung und trat einen weltweiten Siegeszug an.

Transparente Kugel aus Stahl und Glas ersetzt gemauerten Wasserbehälter

Vier Jahre dauerte der Umbau des Wasserturms zum „Lichtturm“. In enger Abstimmung mit den Behörden wurde dazu der Denkmalschutz aufgehoben, um den gemauerten Wasserbehälter durch eine transparente Kuppel aus Stahl und Glas mit umlaufender Balustrade ersetzen zu können. Bis zu 60 Personen fasst dieser Raum, der bislang schon für expressionistische Konzerte oder für Workshops zur Entwicklung von „Leuchtturmprojekten“ genutzt wurde. Auch Vortragsveranstaltungen, in denen sich beispielsweise namhafte Referenten mit dem Thema „Effizienter Energieeinsatz“ auseinandersetzen, stehen regelmäßig auf dem Programm.

Vier in den Turm eingezogene Ebenen sorgen zusätzlich für Raum

Im ursprünglich komplett offenen Schaft des Turmes wurden außerdem vier Ebenen eingezogen. Über eine an der Außenwand geführte „Wendeltreppe“ aus Stahl verbunden finden darauf eine Bibliothek und ein Büro, eine kleine Küche und eine exklusive Lounge Platz – also die für ein Gebäude solcher Nutzung notwendige Infrastruktur.

Die klare, designorientierte Einrichtung der offenen, reduzierten Räume spiegelt dabei die Formensprache des Objektes genau so wider wie seine Intention – und bildet in dieser Kombination den idealen Rahmen für die „Licht im Raum“-Objekte der Manufaktur von Dinnebier Licht, die den Turm zugleich als Experimentierfeld für neue Lichtlösungen nutzt.

Die Wärme kommt aus der Tiefe

Die Idee, einen zukunftsweisenden Ort zu schaffen, beschränkte sich aber nicht nur auf die architektonische oder programmatische Umsetzung. Sie schloss vielmehr – fast selbstverständlich – auch die Heiztechnik mit ein. Denn hier wird „Zukunft“, in Form begrenzter Ressourcen, ebenso fassbar wie nach Wasser und Licht eine weitere elementare Komponente des Seins, nämlich Wärme.

In fast schon beispielloser Symbolik zum Licht kontrastierend wurde diese Wärme in der Tiefe des bergischen Erdreichs gefunden: Drei bis zu knapp 80 Meter abgeteufte Erdsonden versorgen heute eine geoTHERM Sole/Wasser-Wärmepumpe von Vaillant mit Energie. So können etwa 75 Prozent der maximalen Heizleistung von 14 kW ressourcenschonend aus der Umwelt gewonnen werden. Dass lediglich 14 kW ausreichen, diesen vergleichsweise voluminösen Baukörper mit seinen 250 m² Grundfläche trotz der energetisch ungünstigen Lage auf einem windumtosten Berg zu beheizen, verwundert dabei nur auf den ersten Blick.

Kuppelboden und Außenmauern dienen als Speichermasse

Beim zweiten, genaueren gerade auf den Baukörper wird aber deutlich, wie sehr die „alte“ Bauweise nach dem Intze-Prinzip dabei hilft. Denn um die ursprünglich statisch mittragende, in die Turmwände abgeleitete Wasserlast nach dem Austausch des Behälters gegen eine filigrane Glas-Kuppel auszugleichen, wurde der Kuppelboden mit 200 m³ Beton ausgegossen – der jetzt als Speichermasse dient. Diese Funktion übernehmen ebenfalls die soliden Außenmauern. Zwischen 50 und 70 cm stark stehen sie für minimale Transmissionswärmeverluste, so dass im „Lichtturm“ ganzjährig ein angenehmes mittleres Temperaturniveau mit nur geringen, zudem langsam verlaufenden Schwankungen besteht.

Das für thermisches Wohlbefinden zugrunde liegende Prinzip „Einmal richtig aufheizen, dann mit vergleichsweise wenig kW-Leistung die Temperatur halten“ wird dabei zusätzlich durch die weitere Nutzung der bereits bestehenden Flächenheizungen auf den Zwischenebenen unterstützt. Ihre gleichmäßige Wärmeabgabe bei gleichzeitig niedrigeren Vorlauftemperaturen – hier weniger als 40 °C – sorgt für deutlich höhere Effizienz, als dies bei konventionellen Radiatoren mit Konvektionswärme der Fall wäre.

Heizleistung von 45 auf 14 kW reduziert

Wie Energie sparend diese neue Wärmekombination im Vergleich zur ursprünglichen ist, zeigt die Gegenüberstellung von zwei entscheidenden Eckdaten anschaulich: Statt früher 45 kW „Kesselleistung“ sind es jetzt nur noch 14, und statt der Vorlauftemperatur von heute < 40 °C waren es ursprünglich bis zu 80 °C! Damit wurden zwar äußerst kurze Aufheizzeiten selbst beim völlig ausgekühlten Turm erzielt. Gleichzeitig lagen aber auch die Oberflächentemperaturen der Fußbodenheizungen deutlich jenseits jeglichen Komfortempfindens.

Wärmepumpe liefert Wärme – und Kühle

Mit der neuen Wärmetechnik hat das Komfortempfinden aber nicht nur in dieser Hinsicht gewonnen: Durch die so genannte Natural Cooling-Funktion kann die Erdwärmepumpe im Umkehrmodus über die Flächenheizungen auf den Ebenen die warme Raumluft zu den Erdsonden abführen. Ohne zusätzliche Klimaanlagen wird also der Aufheizeffekt der Glaskuppel abgefangen. Zudem regeneriert sich das Erdreich schneller; im Winter steht damit sogar mehr nutzbare Wärme zur Verfügung als bei rein natürlicher Wiederaufladung.

Zukunft aus Historie

Der zum „Lichtturm“ avancierte Gräfrather Wasserturm ist zweifellos ein herausragendes Beispiel für das große Potenzial, das in solchen historischen architektonischen Landmarken steckt. Zugleich zeigt es über den perspektivisch angelegten Nutzungsansatz hinaus aber auch die Notwendigkeit eines Disziplinen übergreifenden Ansatzes auf, der Architektur und Zweckbestimmung, Wirtschaftlichkeit und nachhaltige Haustechnik in einem in sich stimmigen Gesamtkonzept zusammenfasst. Und auf diese Weise den Erhalt solcher „Leuchtturm-Projekte“ über den Status der Liebhaberei hinaus zu einem integralen Element regionaler Standortentwicklung werden lässt.

Weitere Infos auf www.Lichtturm-Solingen.de.