Suchen

Diese Seite verwendet Cookies, um Ihnen ein optimal auf Ihre Interessen zugeschnittenes Besuchserlebnis bieten zu können. Durch Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit Verwendung unserer Cookies einverstanden. Detailliertere Informationen zur Verwendung der Cookies und wie Sie Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen können, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

12 WE-Neubau in Ennepetal als Referenzobjekt

Anlagenkonfiguration für Wärme und Warmwasser immer individuell auslegen

In Nordrhein-Westfalen gibt es perspektivisch einen Wohnungsneubaubedarf von etwa 280.000 Einheiten (Quelle: NRW.Bank). Nach Einschätzung von Experten ist die Marktlage damit so angespannt wie seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr. In Ennepetal stemmt sich ein privater Investor mit drei Geschossbauten (zusammen 34 WE) gegen diesen Trend. Die Häuser dienen zugleich als Referenzobjekte, mit welchen anlagentechnischen Kombinationen die Vorgaben der Energie-Einsparverordnung und entsprechender KfW-Effizienzhaus-Standards zu möglichst wirtschaftlichen Bedingungen erreicht werden können.

Zwei Drittel der ohnehin viel zu geringen Neubautätigkeit im Geschosswohnungsbau erfolgt durch private Investoren. Künftig wird dieses Engagement mutmaßlich weiter zurückgehen, da „weder steuerliche Vorteile noch Werterhöhungsperspektiven vorhanden sind“, schätzte das Pestel Institut für Systemforschung schon vor Jahren in einer Studie für das nordrhein-westfälische Bauministerium. Wenn ein privater Investor in einem Mittelzentrum wie Ennepetal, südlich der Metropole Ruhr gelegen, sein Geld in drei Geschossbauten mit 34 WE (16 / 12 / 6 WE) anlegt, muss es also einen anderen Grund für diese Investition gegeben haben. Architektin Janet Kaya vom Büro Frey & Frey Architekten (Ennepetal): „Im Rahmen einer Lücken- und Industriebrachenbebauung ging es dem Investor in seiner Heimatstadt ganz entscheidend um das Thema Stadtentwicklung.“

Aus architektonischer Sicht bedeutete das unter anderem einen an die umgebende Bestandsbebauung angepassten Entwurf, die Aufnahme regional-traditioneller Gestaltungselemente (hier: des für das Bergische Land so typischen Schiefers) und ein Preis-/Leistungsverhältnis, das ein dauerhaft durchmischtes Mieterbild zulässt. Architektin Kaya: „Weil bekanntlich 80 Prozent der Objektkosten während der Betriebsphase anfallen, spielte das Thema `Energieverbrauch´ gerade in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit und letztlich Amortisation der Investition eine maßgebliche Rolle.“

Frühzeitige Abstimmung

Gedankliche Zielmarke aus energetischer Sicht war bei dem Bauprojekt KfW 70-Niveau. Kaya: „Schon bei der Entwurfsplanung sind wir als Architekten heute viel stärker als früher gefordert. Wir müssen die wirtschaftlichen und architektonischen Vorstellungen des Bauherren, die Erwartungen künftiger Mieter und die technische Machbarkeit in Bezug auf die Energieeffizienz möglichst differenziert aufeinander abstimmen.“ Im konkreten Fall bedeutet das eine Gebäudehülle mit günstigem U-Verhältnis (unter anderem mit thermisch getrennten Vorsatzbalkonen), ein 24er Kalksandstein-Mauerwerk mit nur 12 cm starkem Wärmedämm-Verbundsystem (035-er) sowie Kratzputz und Standard-Dreifachverglasung mit einem K-Wert von 0,7.

„Für KfW 70-Niveau ist das aber natürlich nicht ausreichend“, so die Architektin, die sich im Büro Frey & Frey nahezu täglich mit der Umsetzung von Geschosswohnungsbauten befasst: „Zeitgemäße Energiestandards zu erreichen ist letztlich immer ein Abwägen zwischen Architektur und Anlagentechnik. Weder der eine noch der andere Weg ist allein zielführend.“ Das bedeutet aber auch, schon sehr frühzeitig den Aspekt des Energiebedarfs in die Entwurfsplanung einzubeziehen und idealerweise mehrere anlagentechnische Optionen im Vergleich zu rechnen.

Frank Schönebeck vom Fachhandwerksunternehmen Schönebeck & Sohn aus Gevelsberg: „Diese Herangehensweise verlagert bestimmte Entscheidungen in eine deutlich frühere Planungsphase als früher. Dafür rechne ich aber mit den tatsächlichen EnEV-Herstellerdaten und komme so zu einer deutlich höheren Genauigkeit in den Rechenergebnissen – die dann direkt positive wirtschaftliche Auswirkungen haben, indem beispielsweise die notwendige Dämmung so knapp wie möglich gehalten werden kann. Das spart Kosten.“

Wirtschaftlichkeit und Effizienz

Beim Neubauvorhaben in Ennepetal wurde diese Vorgehensweise zusätzlich durch ein Pilotprojekt des Heiztechnik-Herstellers Vaillant begleitet: Anhand eines der Geschossbauten als Referenzprojekt stellte der Hersteller zehn unterschiedliche Kombinationen möglicher Anlagentechnik in einen direkten Vergleich (s. Kasten). Ziel war eine Übersicht, mit welcher Anlagentechnik der KfW-Effizienzhaus 55-Standard unter gleichen Rahmenbedingungen erreicht oder sogar unterschritten werden kann. Die Höhe der Investitionskosten (also: die Wirtschaftlichkeit) und das Erreichen der EnEV-Vorgaben spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Voraussetzungen nach dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG), dafür mögliche Ersatzmaßnahmen oder die zu erwartenden Betriebskosten.

Im speziellen Fall entschieden sich die Frey & Frey-Architekten für eine Wärmelösung mit einer Sole/Wasser-Wärmepumpe geoTHERM mit 46 kW Leistung als Herzstück. Zur Absicherung der Trinkwasserhygiene und von Spitzenlasten wurde zusätzlich das Elektro-Wandheizgerät eloBLOCK eingesetzt sowie ein wärmepuffernder Multi-Funktionsspeicher mit 2.000 Liter Inhalt. Die Wärmeverteilung erfolgt über eine Flächenheizung mit einer Vorlauf-/Rücklauftemperatur von 35/30 °C; hinzu kommt eine kontrollierte Wohnraumlüftung.

Frank Schönebeck hat diese Anlagentechnik realisiert, die später leicht modifiziert auch auf die beiden anderen Neubauten adaptiert wurde: „Referenzausstattung, um bei einem solchen Objekt die EnEV-Ziele zu erreichen ist eigentlich ein Brennwert-Heizgerät, kombiniert mit einer thermischen Solaranlage und kontrollierter Wohnraumlüftung. Mit der jetzt gewählten Anlagentechnik unterbieten wir diese Energiebilanz jedoch deutlich“. Hinzu komme, so der SHK-Fachmann, dass die Anlagenkombination bei minimalem Platzbedarf im Heizungskeller problemlos auf die beiden Nachbargebäude skalierbar ist: „Ich bleibe damit im Systemverbund eines Herstellers. Alles kommt aus einer Hand. Somit sind die verschiedenen Systemkomponenten perfekt aufeinander abgestimmt - von der Wärmepumpe über die unterstützende Elektroheizung bis zur identischen Regelung.“

Architektin Kaya sieht in der Ausstattung der Gebäude mit einer Wärmepumpe auch ein wesentliches Vermarktungsargument: „Für Investoren spielt die Nutzung regenerativer Energiequellen eine bedeutende Rolle, wenn die Wohnungen beispielsweise verkauft werden sollen. In der Vermietung rücken neben den Erstinvestitionen auch die Folgekosten im Betrieb stärker in den Vordergrund.“

In der vergleichenden Effizienz- und Wirtschaftlichkeitsübersicht steht die gewählte Anlagenkombination dabei auf einem der vordersten Plätze: Der Primärenergiebedarf nach EnEV 2016 (49,8 kWh/m²*a) wird deutlich unterschritten, die KfW-Anforderungen genauso signifikant übererfüllt, und die Investitionssumme entspricht den Erwartungen des Bauherrn. Die Betriebskosten bewegen sich, bezogen auf das Referenzgebäude, im Mittelfeld der verglichenen Systeme – eine für Investoren wie Mieter also gleichermaßen zufriedenstellende Lösung.

„Keine pauschalen Lösungen!“

Inwieweit die aktuelle Entscheidung auf andere Projekte übertragbar ist, wollen weder Architektin Kaya noch SHK-Meister Schönebeck bewerten: „Es hängt definitiv von den individuellen Eigenheiten eines jeden Objektes und den Idealvorstellungen des Investors oder Betreibers ab, wie letzten Endes die jeweilige Anlagenkombination ausfällt. Wird beispielsweise eine Luft/Wasser-Wärmepumpe oder Erdwärme genutzt? Soll eine PV-Anlage mit zusätzlichem Batteriespeicher für eine möglichst hohe Eigennutzungsquote des Solarstroms integriert werden? Das alles sollte für jedes Bauvorhaben neu ermittelt werden. Dann lässt sich das jeweilige Optimum tatsächlich aus der Fülle der technischen und bauseitigen Möglichkeiten herauskitzeln.“

Nur pauschale Lösungen dürfte es künftig definitiv nicht mehr geben, da sind sich Architektin Kaya und SHK-Meister Schönebeck einig.

Weitere Informationen unter

Das Referenzgebäude

Als Referenzgebäude diente aus dem Ennepetaler Ensemble ein Komplex mit 12 WE, Tiefgarage, ungeheiztem Keller und einem Wärmebedarf von 46 kW:

Kriterien ReferenzgebäudeWerte
Gebäudevolumen3.303 [m³]
Gebäudenutzfläche1.057 [m²]
Thermische Gebäudehülle 1.913 [m²]
A/V-Verhältnis0,58 [1/m]
Fensterfläche192 [m²]
Fläche Außentüren 16 [m²]
Qp-Referenzgebäude 66,4 [kWh/(m² x Jahr)]
H´t-Referenzgebäude 0,413 [W/(m² x K)]
Qh-Referenzgebäude 47,8 [kWh/(m² x Jahr)]
QP-EnEV 2014 66,4 [kWh/(m² x Jahr)]
H´T-EnEV 2014 0,5 [W/(m² x K)]
QP-EnEV 2016 49,8 [kWh/(m² x Jahr)]
H´T-EnEV 2016 0,413 [W/(m² x K)]
QP-EH 55 36,5 [kWh/(m² x Jahr)]
H´T- EH 55 0,289 [W/(m² x K)]

Mögliche Anlagenkombinationen

Als mögliche Anlagenkombinationen für die Wärme-/Warmwasserversorgung wurden anhand des Referenzobjektes insgesamt zehn Varianten zusammengestellt, die den Anforderungen der EnEV wie der KfW entsprechen:

  • Sole/Wasser-WP + Gas-Brennwert
  • Sole/Wasser-WP + el. Nachheizer
  • Luft/Wasser-WP + Gas-Brennwert
  • Luft/Wasser-WP + Gas-Brennwert + 36 PV-Module
  • Gas-Brennwert + 18 therm. Solarkollektoren + KWL
  • Gas-Brennwert + mini-BHKW
  • Gas-Brennwert + 36 PV-Module + KWL
  • Sole/Wasser-WP + el. Durchlauferhitzer
  • Sole/Wasser-WP + el. Durchlauferhitzer + KWL
  • Sole/Wasser-WP + 36 PV-Module + Hybridwohnungsstation

Alle Anlagenkombinationen erfüllen die Anforderungen des EEWärmeG und unterschreiten das Soll der EnEV 2016 von 49,8 kWh/m²*a. Die KfW-Anforderungen erfüllen neun dieser zehn Anlagenkonfigurationen, da für die Kombination aus Sole/Wasser-Wärmepumpe, elektrischer Warmwasserbereitung und Abluftanlage in der KWL keine Wärmerückgewinnung angesetzt wurde.