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Nachtspeicherheizung: Heizen mit Nachtstrom

Bei einer Nachtspeicherheizung wird der elektrische Strom für die Wärme in den Nachtstunden erzeugt und geliefert, aber erst tagsüber für die Beheizung der Wohnung genutzt. Viele Jahre waren Nachtspeicherheizungen sehr beliebt, dann gerieten sie in Verruf, mittlerweile werden sie wieder häufiger genutzt. Was ist eine Nachspeicherheizung? Wie funktioniert sie? Welche Vorteile bringt sie?

Inhaltsverzeichnis

Die Nachtspeicherheizung: ein Kind der Adenauerzeit

Nachtspeicherheizungen waren in den 1950er- und 1960er-Jahren beliebt und weit verbreitet. Sie galten als saubere und preisgünstige Alternative, Häuser und Wohnungen zu beheizen. Es galt damals als innovativ, elektrischen Strom für die Heizung einzusetzen, denn das bedeutete einen großen Fortschritt gegenüber den schmutzigen und wenig benutzerfreundlichen Öl- und Kohleöfen. Die Erzeugung von Wärme mit Strom setzte weder Rauch noch Emissionen frei. Es mussten keine Kohlen geschleppt werden, das gefährliche Hantieren mit leicht brennbarem Heizöl entfiel ebenso.

Anreize durch günstigen Nachtstrom

Für den Boom der Nachtspeicherheizung sorgten vor allem die Energieversorgungsunternehmen: niedrige Stromtarife schufen den Anreiz für Verbraucher, Speicherheizungen in Etagenwohnungen und Einfamilienhäusern zu installieren. Die Unternehmen waren daran interessiert, auch in den Nachtstunden eine ausreichende Grundlast sicherzustellen, damit die Stromerzeugung in den Kraftwerken nicht zu weit herunterfahren werden musste. Damit erreichten die Energieversorger über die gesicherten Nachtstrom-Abnahmekapazitäten eine konstantere Kraftwerksauslastung und insgesamt effizientere Stromerzeugung. Dank des Prinzips der Nachtspeicherheizung konnte der Strom sofort abgenommen und verkauft werden, auch wenn er erst später für die Erwärmung der Wohnung eingesetzt wurde.

Zunehmende Kritik und Comeback der Nachtspeicherheizung

Nach der Ölkrise von 1973 stiegen die Energiekosten deutlich, sodass die staatlichen Subventionen für den Nachtstrom nur noch einen kleinen Teil ausmachten. Gleichzeitig nahm das Bewusstsein für eine saubere Umwelt zu. Elektrisches Heizen wurde jetzt vielfach als wenig umweltfreundlich kritisiert. Nachtspeicherheizungen verloren an Attraktivität. Zudem wurde bekannt, dass gesundheitsschädigender Asbest in älteren Nachtspeicherheizungen verbaut worden war. Auch das brachte eine schlechte Presse. 2009 erklärte die Bundesregierung die Ära der Nachtspeicherheizung für beendet. Nach und nach sollten alle bestehenden Nachtspeicherheizungen außer Betrieb genommen werden. 2013 wurde der Beschluss jedoch wieder aufgehoben. Seitdem werden Nachtspeicherheizungen wieder anders beurteilt. Sie gelten jetzt als optionaler Baustein der Energiewende. Aus Heizungen oder Öfen, die früher mit Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken „gefüttert“ wurden, können mit Umstellung auf nachhaltige Energiequellen wie Wind oder Sonne durchaus „Ökostromspeicher“ werden. Kurzum: Moderne Nachtspeicherheizungen haben in einigen Szenarien durchaus eine Zukunft.

Was ist eine Nachtspeicherheizung? Wie funktioniert sie?

Eine Nachtspeicherheizung ist eine Elektroheizung, die einen Wärmespeicher besitzt. Der elektrische Strom für die Wärme wird in den Nachtstunden erzeugt und geliefert, die damit erzeugte Wärme aber erst tagsüber für die Beheizung der Wohnung genutzt. Möglich wird dies über die Speicherung der Wärme in speziellen Speicherkern-Steinen. Anders als bei einem Heizstrahler liegen die Heizelemente bei der Nachtspeicherheizung nicht offen, sondern sind zwischen den Speicherkern-Steinen eingefügt. Der gesamte Speicherkern besitzt eine sehr gute Wärmedämmung, sodass nur ein geringer Wärmeanteil über Oberflächen-Wärmestrahlung abgeben wird. Durch integrierte Lüfter kann die gespeicherte Wärme, gesteuert über einen Raumtemperatur-Regler, bedarfsgerecht bereitgestellt werden.

Aus Strom wird Wärme

Die Wärme wird in der Regel in einem Speicherkern aus Magnetit gespeichert. Magnetit ist ein sehr temperaturbeständiges Material, das zur Auskleidung von Schmelzöfen verwendet wird, also hohe Temperaturen aushält. In der Nachtspeicherheizung kann der Magnetit-Kern Temperaturen von mehr als 750 Grad Celsius erreichen. Durch die gute Isolierung dringt jedoch kaum Wärme nach außen. Ein Thermosensor schützt vor einer Überladung und verhindert so eine Überhitzung.

Im Laufe des Tages wird die gespeicherte Wärme dann an die Räume abgegeben. Diese Aufgabe wird meist von einem Lüfter an der Nachtspeicherheizung übernommen. Der Lüfter saugt kalte Raumluft an und führt sie am Wärmespeicher der Heizung entlang. Dadurch wird die Luft im Raum erwärmt. Mit einem Thermostat lässt sich die Raumtemperatur regeln. Bei Nachtspeicherheizungen gibt es unterschiedliche Bauarten. Sie unterscheiden sich darin, wie die Wärme jeweils übertragen wird.

Bauarten der Nachtspeicherheizung

Statisch: Die Abgabe der Wärme erfolgt über Strahlung.

Dynamisch: Die Abgabe der Wärme erfolgt über einen Ventilator.

Statisch + dynamisch: Die Wärme wird abgestrahlt und bei Bedarf zusätzlich über einen Ventilator an die Raumluft abgegeben. Es handelt sich hierbei um die geläufigste Bauart.

Konvektion: Kalte Raumluft überträgt die Wärme. Die Umgebungsluft strömt im unteren Bereich des Heizkörpers ein, erwärmt sich an den Lamellen und steigt als erwärmte Luft auf.

Bedienung einer Nachtspeicherheizung

Die Bedienung einer Nachtspeicherheizung war bei der Einführung der Geräte in den 1950/60er-Jahren nicht ganz einfach. Hausbesitzer und Mieter mussten schon am Vortag wissen, wie viel Wärme sie am kommenden Tag benötigten. Das erforderte Vorausplanung. Wurde eine zu knappe Speicherbeladung gewählt, reichte die Wärme vielleicht nicht für den nächsten Tag. Die Räume konnten auskühlen, anstatt behaglich warm wurde es dann ungemütlich kalt. Heute wird die Nachtspeicherheizung digital gesteuert und benötigt keine Vorausplanung mehr.

Bei Kälteeinbrüchen sorgt eine optionale Zusatzheizung für Wärme, die bei Bedarf auch am Tag Strom aus dem Netz bezieht. In der Regel reicht bei einer witterungsgeführten Aufladeregelung die gespeicherte Wärme für das Heizen völlig aus.

An der Regelung einer konventionellen Nachtspeicherheizung können meist folgende Einstellungen vorgenommen werden:

  • Die Intensität der Speicherbeladung: Wie viel Strom darf die Heizung dem Netz entnehmen?
  • Die Raumtemperatur: Wie hoch soll die Heizung den Raum temperieren?
  • Ein- und Ausschalten der Heizung: Die Nachtspeicherheizung lässt sich damit komplett vom Netz nehmen.
  • Ein- und Ausschalten der Zusatzheizung: Wurde die Beladung zu gering gewählt, hilft die Zusatzheizung aus – allerdings zu hohen Kosten. Sie ist daher abschaltbar.

Tipp:

Vergleichen Sie die Preise Ihres lokalen Energielieferanten mit anderen Anbietern. Sie können mit günstigeren Tarifen speziell für Nachtspeicherheizungen deutlich sparen. Achten Sie dabei aber auf die Konditionen des neuen Tarifs im Detail.

Digitale Steuerung möglich

Einige Hersteller bieten alternativ zur manuellen Bedienung der Speicherheizung eine automatische Steuerung an. Dabei wird die Speicherbeladung in Abhängigkeit der Außentemperatur automatisch berechnet. Das ist eine spürbare Vereinfachung für den Benutzer. Digitale Regelprogramme können sogar aktuelle Wetterprognosen berücksichtigen, um möglichst keine Energie zu verschwenden. Zusätzlich sind Tages- und Wochenprogramme neben dem adaptiven Heizungsstart möglich. Sogar offene Fenster werden von der intelligenten Elektronik erkannt.

Welche Gebäude eignen sich für Nachtstrom?

Nachtspeicherheizungen wurden früher in Gebieten ohne Gasversorgung und in Gebäuden ohne Kamin oder Öltank installiert. Während heute Infrarotheizungen für temporäres und schnelles Heizen Vorteile bringen, können alte und ineffiziente Nachtspeicherheizungen durch moderne und sparsame Geräte ersetzt werden.

Vorteile und Nachteile einer Nachtspeicherheizung

VorteileNachteile
vergleichsweise preiswerter Heizstrom durch NiedertarifStrom ist deutlich teurer als die Heizalternativen Öl, Gas und Pellet (Holz)
platzsparend und günstig in der Anschaffung (betriebsfertiges Gerät ab 500 Euro)Bedienung kann bei älteren Geräten kompliziert sein
unkomplizierter Einbau (durch Elektriker)an kalten Wintertagen zusätzliche Beheizung mit teurem Tagstrom nötig
weder Schornstein noch Brennkessel erforderlich schlechte CO2-Bilanz, falls nicht mit Ökostrom betrieben
kein Lagerraum für Brennstoffe nötigAllergiepotenzial durch zirkulierende Staub- und Schmutzpartikel
wartungsarm, in der Regel störungsfreigeringer Gesamtwirkungsgrad
gute CO2-Bilanz in Verbindung mit erneuerbaren Energien 

Fazit zur Nachtspeicherheizung

Wer alte Nachtspeicherheizungen durch moderne Geräte ersetzt, kann die Effizienz seiner Heizung deutlich steigern. Die aktuelle Technologie mit elektronischer Auf- und Entladeregelung bzw. witterungsgeführter Regelung macht die Nachtspeicherheizung im Zusammenspiel mit einer besseren Wärmedämmung des Gebäudes attraktiv. In der Anschaffung ist sie im Vergleich zu anderen Möglichkeiten des Heizens immer noch günstig. Der Betrieb ist so gut wie störungsfrei. Nutzer können zudem etwas für die Ökobilanz tun, wenn sie ihren Strom aus erneuerbaren Energien beziehen, etwa aus Windenergie oder Photovoltaik-Anlagen.

Vaillant bietet neben Elektro-Speicherheizgeräte auch Infrarotheizungen an, die einfach zu bedienen und leise im Betrieb sind, alte Nachtspeicherheizgeräte ersetzen können und mithilfe von intelligenter Elektronik sogar offene Fenster erkennen.

Sie haben Fragen zur Nachtspeicherheizung oder möchten sich individuell beraten lassen? Lassen Sie sich von einem unserer Fachpartner helfen!