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Energiebedarf oder Energieverbrauch – was ist der Unterschied?

Zwei verschiedene Ansätze sind möglich, um den Energieeinsatz im Haushalt zu senken. Der erste Ansatz: den Energieverbrauch selbst zu untersuchen. Wo gibt es Energieverschwendung? Lässt sich mein Nutzerverhalten ändern? Dieser Schritt stößt aber dort an Grenzen, wo es zu Komforteinbußen kommt. Denn wer möchte schon kalt baden? Die zweite Möglichkeit zum Energiesparen ist, die Effizienz des Hauses und auch der Geräte unter die Lupe zu nehmen. Denn ist der grundlegende Energiebedarf vom Gebäude hoch, weil viel zu viel Energie nutzlos verloren geht oder ineffizient erzeugt werden muss, lässt sich über das Verbrauchsverhalten oft gar nicht so viel einsparen. Also: Hinschauen, wo die Energieverschwender sind. Um Energiekosten zu senken und klimaschädliche Treibhausgasemissionen zu verhindern, gibt es noch eine Variante: den Energiebedarf durch erneuerbare Energien decken.

Aber welche Maßnahmen erzielen das beste Ergebnis, im Verhältnis von Aufwand und Reduktion des Energiebedarfs? Um diese Frage zu beantworten, ist zunächst wichtig zu wissen, wo der größte Energiebedarf anfällt.

Privathaushalte: Energieverbrauch 2017

Rangfolge des Energiebedarfs im Haushalt

Hätten Sie es vermutet? Den mit Abstand höchsten Energiebedarf im Haushalt hat – die Heizung. Mehr als 70 Prozent der Haushaltsenergie wird für Raumwärme genutzt, sagt das Statistische Bundesamt. Auf Platz zwei folgt mit weitem Abstand die Bereitung von Warmwasser (14 Prozent), oft ebenfalls durch die Heizung. Das macht deutlich: Hier schlummert das größte Einsparpotenzial für den Energiebedarf.

Strom für den Betrieb von Haushaltsgeräten macht übrigens nur 8,2 Prozent, für Beleuchtung sogar nur 1,5 Prozent am Gesamtbedarf aus.

 

Den Energiebedarf für die Heizung berechnen

Welcher Energiebedarf für die Erzeugung von Raumwärme ist „normal“? Häuser und Wohnungen sind selten gleich gebaut und deshalb individuell zu betrachten. Am besten ist es, per Online-Rechner den Energiebedarf zu errechnen, der für Ihr Haus und Ihre Haushaltsgröße typisch wäre. Je detaillierter die Abfragen des Online-Rechners, umso genauer das Ergebnis. Wichtig für die Berechnung sind das Alter und der Energieträger der Heizung, das Baujahr und die Lage des Gebäudes, die Quadratmeterzahl, die Anzahl der Bewohner, die Qualität der Fenster, die gewählte Innentemperatur während der Heizperiode. Daraus lässt sich ableiten, wie effizient die Heizung arbeitet und wie viel Wärme durch Wände und Decken des Hauses verloren geht.

Tipp: Online-Rechner

Nutzen Sie verschiedene Online-Rechner für die Ermittlung Ihres Heizungsenergiebedarfs. Vergleichen Sie die Resultate dann mit Ihrer Heizkostenabrechnung und entscheiden Sie sich für den Rechner mit den realistischsten Ergebnissen. Und wenn Sie einzelne Parameter im Online-Rechner verändern, können Sie die Auswirkungen auf den Energiebedarf sogar direkt ablesen.

Vergleichen ist wichtig

Vergleichen Sie die Richtwerte des Online-Rechners mit den durchschnittlichen Verbrauchswerten Ihrer Jahresabrechnungen. So finden Sie schnell heraus, ob Ihr Energiebedarf „normal“ oder deutlich zu hoch ist. So haben Sie Anhaltspunkte über den Umfang notwendiger Sanierungsmaßnahmen. Die Energieeffizienz Ihres Hauses können Sie zudem grob einschätzen, wenn Sie Ihren Energiebedarf mit den Referenzwerten im Energieausweis vergleichen.

Tipp: Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)

Bei einer umfangreichen energetischen Sanierung lassen Sie sich am besten von einem Energie-Effizienzexperten einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellen. Das optimiert nicht nur die Maßnahmen, sondern bringt auch noch eine höhere Förderung. Mehr Infos zu einem iSFP lesen Sie hier.

Zu berücksichtigen ist, dass die Energiekosten durch die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe weiter steigen werden. Den Energiebedarf nachhaltig durch einen Heizungstausch oder eine energetische Sanierung zu senken, bringt auf Sicht oft die größten Ersparnisse. Zumal der Staat dafür hohe Förderungen zahlt.

So lässt sich der Energiebedarf für Raumwärme unter anderem senken:

Energiesparendes Verhalten

  • Raumtemperatur auf maximal 21 °C begrenzen
  • gezieltes Stoßlüften

Effizienzsteigerung

  • Heizungstausch
  • Heizungsverteilung hydraulisch abgleichen
  • Dämmung von Decken gegen unbeheizte Räume im Keller und dem Dachboden sowie Fassadendämmung
  • Austausch undichter und einfach verglaster Fenster

Nutzung erneuerbarer Energien

Weitere Hinweise kann Ihnen der Vaillant Fachpartner in Ihrer Nähe geben. Tipps zum Heizkosten sparen finden Sie zudem in diesem Blog-Beitrag.

Energiebedarf im Haus für Warmwasser

Zu rund 72 Prozent wird in deutschen Wohnungen das Warmwasser zentral durch die Heizung erwärmt. Eine dezentrale Trinkwassererwärmung mit Strom, beispielsweise mit Durchlauferhitzern, gibt es in etwa 14 Prozent der Haushalte*.

Sorgt die Zentralheizung für Warmwasser, können Sie den Energiebedarf an einem Wärmemengenzähler direkt in Kilowattstunden (kWh) ablesen. Ist stattdessen ein Warmwasserzähler installiert, lässt sich der Energiebedarf recht einfach errechnen.

 

Bei der dezentralen Trinkwassererwärmung mit Strom ist der Energiebedarf meistens nur annäherungsweise zu ermitteln: Der Pro-Kopfverbrauch von Trinkwasser beträgt in Deutschland 123 Liter pro Tag und Person. Etwa 40 Liter davon sind Warmwasser, also circa ein Drittel. Wie hoch der Energiebedarf genau ist, hängt im Wesentlichen davon ab, wie hoch die Ausgangstemperatur des Kaltwassers ist und auf wieviel Grad es aufgeheizt werden soll. Bei pauschalen Temperaturannahmen sind etwa 0,056 kWh (56 Wattstunden) erforderlich, um einen Liter Wasser mit Strom zu erwärmen.

Berechnung Ihres Energiebedarfs an Warmwasser bei zentraler Erwärmung anhand eines Warmwasserzählers:

(Jährlicher Warmwasserverbrauch * (Warmwassertemp.-Kaltwassertemp.)) / 2,5

Überschlägige Ermittlung Ihres Energiebedarfs an Warmwasser bei dezentraler Erwärmung mit Strom:

(Jährlicher Wasserverbrauch) / 3*0,056 kWh

Eine andere Möglichkeit, den Energiebedarf für Warmwasser zu errechnen, bieten Online-Rechner, wie beispielsweise der von co2online. Neben den reinen Energiekosten liefert der Rechner auch eine Einschätzung des Einsparpotenzials.

So lässt sich der Energiebedarf für Warmwasser unter anderem senken:

Energiesparendes Verhalten

  • öfter duschen als baden
  • Warmwassertemperatur bei Durchlauferhitzern absenken (Achtung: eine Absenkung der Temperatur von zentralen Trinkwasserspeichern unter 55 °C ist nicht zulässig; Legionellengefahr!)

Effizienzsteigerung

  • Warmwasserleitungen in Altbauten dämmen
  • Armaturen mit Durchflussbegrenzern nachrüsten
  • wassersparenden Duschkopf installieren
  • ältere Durchlauferhitzer gegen vollelektronisch geregelte Geräte tauschen

Nutzung erneuerbarer Energien

Weitere Empfehlungen kann Ihnen der Vaillant Fachpartner in Ihrer Nähe geben. Verbrauchertipps zum Wassersparen finden Sie außerdem in diesem Blog-Beitrag.

Durchschnittlicher Strombedarf im Haushalt

Der Strombedarf in privaten Haushalten hängt von mehreren Faktoren ab: der Anzahl der Personen im Haushalt, der Art des Hauses (Ein- oder Mehrfamilienhaus) und der Art der Warmwasserbereitung. Grundsätzlich gilt, dass mit zunehmender Bewohnerzahl die Stromkosten pro Kopf geringer sind. Denn in einem Vier-Personen-Haushalt gibt es beispielsweise wie in einem Ein-Personen-Haushalt nur einen Kühlschrank und nur eine Waschmaschine. Mehrfamilienhäuser verteilen wiederum Stromkosten für Außenbeleuchtung, Keller, Garage etc. auf alle Bewohner, was die Kosten ebenfalls senkt. Eine große Rolle für den Strombedarf spielt, wie beschrieben, ob das Warmwasser elektrisch bereitet wird.

Allerdings gibt es auch für den durchschnittlichen Strombedarf privater Haushalte Erfahrungswerte:

Anzahl Bewohner Stromverbrauch / Jahr
12.300 kWh
23.000 kWh
33.600 kWh
44.000 kWh

So lässt sich der Strombedarf unter anderem senken:

Energiesparendes Verhalten

  • Elektrogeräte ausschalten statt auf Standby betreiben
  • Wäsche mit reduzierter Temperatur waschen (moderne Waschmittel haben schon ab 30 und 40 °C die volle Reinigungskraft)

Effizienzsteigerung

  • Beim Kauf von Haushaltsgeräten auf hohe Effizienzklasse achten
  • Alte Heizungspumpe gegen moderne Hocheffizienzpumpe tauschen (förderfähig)
  • Ältere Durchlauferhitzer gegen vollelektronisch geregelte Geräte tauschen

Nutzung erneuerbarer Energien

Weitere Tipps kann Ihnen der Vaillant Fachpartner in Ihrer Nähe geben. Verbraucherinfos zu Photovoltaik finden Sie außerdem in diesem Blog-Beitrag.

 

* Entwicklung des Wärmeverbrauchs in Deutschland; Basisdaten und Einflussfaktoren; BDEW Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft e.V.; Berlin, 29. Mai 2019